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Offene Aggressivität? Ich sage: Ja!
Wenn wir Menschen begegnen, die uns gegenüber offen aggressiv sind, ist es nicht angenehm. Allerdings ist es im gewissen Sinne fair. Jemand ist wütend oder aufgebracht und zeigt dies eindeutig durch sein oder ihr Verhalten: aggressiver Gesichtsausdruck, entsprechende Wortwahl, zugeknallte Türen und vieles mehr. Bei der offen ausgetragenen Aggressivität weiß zumindest jeder, wo er dran ist. Der Aggressor macht keinen Hehl daraus, wie er zu einem steht.
Außerdem ist die Aggressivität nicht partout schlecht, sie ist oft hilfreich. Sie hilft, die angestaute Energie loszuwerden (was für den eigenen Abkühlprozess immanent ist). Sie hilft aber auch zum Beispiel bei der Verteidigung unserer eigener Grenzen, unseres Unternehmens oder unserer Kinder. Verwehren Sie sich in Gänze den Zugang zu Ihrer Aggression, werden Sie zur leichten „Beute“ für Täter.
Passive Aggressivität
Was genau passiert bei der passiven Aggressivität?
Anders ist es bei der passiven Aggressivität. Der Passiv-Aggressive will seine aggressive Haltung einer anderen Person gegenüber ausleben, ohne dafür die Konsequenzen einer Auseinandersetzung zu tragen. Er will nicht als Täter erkannt werden. Entsprechend hat derjenige kein Interesse an einem offen ausgefochtenem Konflikt. Also handelt er zwar aggressiv, verschleiert aber auch gleichzeitig seine aggressive Absicht, um somit der Verantwortung für seine Handlung zu entkommen.
Wie gelingt es ihm? Indem er bei seinem Opfer den Eindruck erweckt, dass sein aggressives Verhalten nicht mit einer aggressiven Haltung oder einer aggressiven Absicht in Verbindung stünde. Der Zufall, die Unwissenheit, ein Missverständnis wären vermeintlich die eigentlichen Beweggründe für sein oder ihr Verhalten. Hier ein Beispiel:
Person A: „Wir haben uns doch für den Lieferenten A entschieden, wieso hast du den Vertrag mit Lieferanten B geschlossen?“
Person B: „Ich dachte, wir waren uns einig, dass die endgültige Entscheidung bei mir lege. Da habe ich dich wohl falsch verstanden.“
Ab wann spricht man von passiver Aggressivität?
Dieses Beispiel allein für sich ist noch kein Beweis für passiv aggressives Verhalten. Missverständnisse können überall entstehen. Wird aus einem Vorfall allerdings ein sich immer wieder wiederholendes Verhaltensmuster und Sie erkennen eine gewisse Taktik, dann handelt Person B in so einer Situation aller Wahrscheinlichkeit nach passiv aggressiv. Person B dominiert über Person A indem sie sich über sie, ihren Willen und die gemeinsame Absprache hinwegsetzt.
Beweisbarkeit
Das schwierige an solchen Situationen ist die Beweisbarkeit. Wie will man eine Absicht oder eine feindselige Einstellung beweisen, wenn die Behauptung eines Irrtums im Raum steht? Selbst wenn Ihr Gefühl Ihnen sagt, dass jemand absichtlich handelt, haben Sie in der Regel nichts nachweisbares in der Hand.
Ganz im Gegenteil, sollten Sie den passiv aggressiven Menschen darauf ansprechen, dass Sie eine Absicht vermuten, kann es passieren, dass Sie als der vermeintliche Aggressor dargestellt werden, der einem „Unschuldigen“ mit Unterstellungen begegnet (Lesen Sie dazu den Beitrag zur Täter-Opfer-Umkehr). Das macht das Verhalten so perfide.
Wieso handelt jemand passiv aggressiv?
Die Gründe für passive Aggressivität sind ausgesprochen unterschiedlich und individuell. Zum Beispiel könnte ein passiv aggressiver Mensch es nie richtig gelernt haben, mit Aggressivität gesund umzugehen. Angenommen wenn derjenige als Kind seine natürliche Aggressivität stets unterdrücken musste. Dann sucht sich die Aggressivität einen anderen Weg, den der passiven Aggressivität.
Manche Menschen haben es für sich als den leichteren Weg entdeckt, durchs Leben zu schreiten. Sie schaden anderen, ohne sich der Verantwortung zu stellen. Es gibt ihnen einen gewissen Schein der Macht über andere, ungestraft davon zu kommen. Allerdings ist es lediglich ein Schein, denn dieses Machgefühl ist von anderen abhängig. Solche Menschen brauchen Opfer.
Ein weiterer Grund, die offene Konfrontation zu meiden, könnte das Gefühl der eigenen Unterlegenheit sein. In einer fairen Auseinandersetzung auf Augenhöhe würde man den Kürzeren ziehen, also wird zu unfairen Mitteln gegriffen. Lesen Sie hierzu auch den Artikel zu 10 toxischen Verhalten.
Manchen wiederum ist das eigene passiv aggressive Verhalten gar unbewusst. Es kann daher auch hilfreich sein, solchen Menschen vor Augen zu führen, was ihr Verhalten bewirkt. So bekommen sie die Chance, bewusst zu entscheiden, ob sie es weiter beibehalten oder verändern wollen.
Passive Aggressivität in der Konsequenz
Offene Aggressivität führt zum offenen Konflikt. Dieser wiederum bringt die Chance auf eine Auflösung dieses Konflikts mit sich. Passiv aggressives Verhalten dagegen verhindert ja gerade den Konflikt. Somit wird auch eine mögliche Auflösung des eigentlichen, zugrundeliegenden Konfliktes vermieden. Alles was bleibt, ist lediglich der angerichtete Schaden: Grenzüberschreitung, emotionale Verletzung, wirtschaftlicher Schaden, sich aufstauende, unterdrückte Konflikte, die erfolgshindernd sind und vieles mehr.
Ausblick
In vielerlei Hinsicht ist das passiv Aggressive Verhalten leider zum gesellschaftlichen Usus geworden. Es hat in unseren Alltag Einzug gefunden und wird toleriert und/oder verharmlost. An dieser Stelle gebe ich Ihnen Informationen, um für dieses Thema zu sensibilisieren. In dem hier verlinkten Video gehe ich noch dezidierter auf das Thema ein.
Bei dem Beitrag zur passiven Aggressivität handelt es sich um eine Beitragsreihe, die aus 3 Teilen besteht.
Der Teil 2. wird sich mit einigen Beispielen zur passiven Aggressivität befassen und im Teil 3. erhalten sie von mir einige Hinweise und Impulse, wie Sie mit passiver Aggressivität umgehen können.